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Praxis für Psychologische Beratung
Samuel Althof
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Extremismusprävention: Einleitung


Im Folgenden handelt es sich um grundsätzliche Gedanken zur Extremismus (Rechts- und Linksextremismus) Präventionsarbeit. Aus Gründen der Wirksamkeit und des Persönlichkeits- und Opferschutzes werden detaillierten Angaben vermieden. Ich bitte um Verständnis.

Ich unterscheiden grundsätzlich zwischen symptomatischen, nicht-programmatischen jugendlichen ExtremisteInnen (bis ca. 25 Jahre) und programmatischen ExtremisteInnen mit einem ideologischen, anti-demokratischen, faschistischen, rassistischen und menschenfeindlichen Programm oder entsprechend geschlossenem Gedankengebäude.
Organisationen mit entsprechenden Mitgliedern müssen mit allen juristischen und allen politischen Mitteln bekämpft werden.

Provokation Neonazi - Die Aufsuchende Begegnung
Bei jugendlichen Neonazis schlage ich neue Wege ein. In interdisziplinärer Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Präventionsstellen, auf verschiedenen Wegen und unter bestimmten Bedingungen suche ich die Kommunikation mit jugendlichen - teilweise gewaltbereiten - ExtremistInnen der rechten und linken Seite. Dabei ist eine akzeptierende Grundhaltung gegenüber der Person die Grundlage aller folgenden Schritte.

Sinn der Begegnung ist nicht ExtremistInnen um zu erziehen.

Ich nehme die verletzenden Provokationen der jugendlichen ExtremistInnen ( an dieser Stelle spreche ich vorwiegend von rechtsorientierten Jugendlichen) ernst, fragt diese nach den Motiven ihrer rechtsextremen Gesinnung und nach den Ursachen ihrer oft Menschen verachtenden Aussagen.
Ich verstehe die Provokationen der jugendlichen ExtremstInnen an die Welt der Erwachsenen - aber auch jene an die Welt anderer Jugendlicher - als unbeholfene, sogenannt "pervertierte" Versuche der Kontaktaufnahme.
Die Jugendlichen wollen gehört, verstanden und ernst genommen werden.

Die, z.T. gewalttätigen Provokationen zu verstehen, ist für alle nicht leicht. Sie sind eine Herausforderung an uns selbst, denn sie erreichen uns in erster Linie über unsere historisch bedingten Ängste; - d.h. über unvollständig verarbeitete oder gar verdrängte Folgen des Zweiten Weltkrieges.

Dieser Umstand ist ein nicht zu unterschätzender Teil und z.T. auch Mit-Ursache des Symptoms des jugendlichen Rechtsradikalismus, denn wir identifizieren die Jugendlichen mit historischen Nazi-Bildern, vor welchen wir uns selbst fürchten.
Gelingt es uns, durch mutige und selbstkritische Selbstwahrnehmung, unsere Ängste und Doppelbilder zu verstehen und dafür die Verantwortung zu übernehmen, schaffen wir die Grundlage, um den Appell der jugendlichen Neonazis verstehen zu können.
Ich bin der Meinung, dass nur so geeignete Präventions- und Therapiemittel entwickelt werden können. Aus dieser Position heraus vertrete ich folgende These:

Werden psychosoziale Symptome, ob von "Rechts" oder von "Links" kommend, nicht mit psychosozialen Mitteln angegangen, sondern, wie tendenziell schon oft gefordert, politisch bekämpft, erreichen wir in erster Linie die Politisierung der entsprechenden Szene und somit eine schwer kontrollierbare Verschärfung der Lage.
Ein weiteres Anwachsen der Neonazi / Extremismus-Szene kann nur dann langfristig erfolgreich verhindert werden und sich aus der meist reaktiven Symptombehandlung weiter entwickeln, wenn z.B. ein gesellschaftliches Bewusstsein darüber entsteht, dass ein Verdrängen, Verleugnen und oft sublimes Fortsetzen von NS-Gedankengut besteht und beendet werden muss.

Ich möchte in diesem Zusammenhang auf meine Zusammenarbeit mit dem Nationalfond-Projekt 40+ : Ausstiegsmotivationen aus rechtsorientierten Gruppierungen unter besonderer Berücksichtigung der familiären Sozialisation und der Gleichaltrigenbeziehungen und auf dessen Untersuchungen verweisen, welche die Qualität des Ausstiegs aus der rechtsextremen Szene untersuchten.

Eine zentrale Arbeitshypothese in besagtem Forschungsprojekt ist, dass die Distanzierung von Dominanzorientierung eines der besten Kriterien für die Beurteilung des Ausstiegs darstellt. Diese Optik wurde eingenommen im Bewusstsein darüber, dass Dominanzorientierung nicht das einzige Kriterium für den Ausstieg ist.

Siehe auch:
Theorieverweise und Bibliografie
Rechtsextremismus; Studie über Einstellungen und Ausstiegsmotivation

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