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Praxis für Psychologische Beratung
Samuel Althof
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4052 Basel



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Theorieverweise und Bibliografie:

1. Neurobiologie

Prof. Dr. Gerald Hüther, ein Neurobiologe, verweist darauf, dass Sicherheit bietende Kompetenzen Gewalttätern fehlen. Ebenso das Vertrauen in andere Sicherheit bietende Bezugspersonen (Hüther 2004, S. 148). Halt und Orientierung können dabei nicht einzig eingefordert werden, im Sinne von „bemüht euch endlich“, sondern müssen über Therapien in Stückwerk aufgebaut werden. Diese Neubildungs- und Stabilisierungsprozesse können aber nur gelingen, wenn sie entsprechende vorteilhafte Erfahrungen machen können. Die erwünschten Bewältigungsmechanismen müssen dabei nicht einzig sozial, sondern auch über die Stabilisierung der dabei aktivierten frontokortikalen neuronalen Netzwerke erreicht werden (ebd., S. 149). Beziehungsarbeit und Selbstvertrauen muss demnach auch neuronal aufgebaut werden.

• Hüther, Gerald: Destruktives Verhalten als gebahnte Bewältigungsstrategie zur Überwindung emotionaler Verunsicherung: Ein entwicklungs-neurobiologisches Modell. Adoleszenz - Bindung - Destruktivität. A. Streeck-Fischer. Stuttgart 2004, Klett-Cotta: S. 136-150.

2. Bewusstseinsarbeit

PD Dr. Thea Bauriedl, Privatdozentin an der Universität München, hat in ihrem wegweisenden Buch aufzeigen können, dass die Kettenreaktion der Gewalt nicht durch eine weitere Ausgrenzung rechtsextremer Täter bewältigt werden kann, sondern durch ihre Integration in Gesellschaft und Bewusstsein unterbrochen werden muss. Die Täter müssen dabei dahingehend Bewusstseinsarbeit leisten, als sie ihre Angst, Schuld und gesellschaftliche Integration mitverantworten und tragen müssen.

• Bauriedl, Thea: Wege aus der Gewalt. Die Befreiung aus dem Netz der Feindbilder. Herder, Freiburg, 2001.


3. Geistige und soziale Autonomie

Prof. Dr. Harald Welzer, ein Sozialpsychologe und Direktor des Center for Interdisiplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen/Deutschland, formuliert in seinem neuesten Buch die von ihm belegte These, dass geistige und soziale Autonomie, welche den Hauptpräventionsfaktor gegen rechtsextremes Gedankengut darstellt, ein psychisches Merkmal ist, das zentral mit dem Gelingen von Bindungsprozessen und damit zusammenhängend mit der Erfahrung von Glück zusammenhängt.
Wer über einen solchen Referenzrahmen nicht verfügt, wird die geforderten Alltags-Entscheidungen in Gewaltkontexten tendenziell zugunsten rechtsextremer Gewalt fällen. Menschen nutzen in solchen Zusammenhängen, die ihnen gegebenen ‚Ausstiegsspielräume’ nicht.

• Welzer, Harald: Täter. Frankfurt am Main, S. Fischer, 2005.

4. Dominanzorientierung und Desintegrationserfahrungen

• Kassis, Wassilis: Ausländerfeindliche Gewaltakzeptanz Jugendlicher zwischen gesellschaftlichen Dominanz- und schulischen sowie familiären Desintegrationserfahrungen. Kürzestzusammenfassung eines Peer-Review-Beitrags, publiziert in: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft (ZfE), Berlin, 2005, 8. Jg., Heft 1, Seite 96-111

Zusammenfassung des Autors:
Die im Rahmen dieser Studie durchzuführenden Analysen sollen der Hypothese nachgehen, dass es nicht sinnvoll ist, den Disput ‚Dominanzthese’, verstanden als Ausdruck einer strukturell vermittelten Ausländerfeindlichkeit (Rommelspacher 2002), versus ‚Desintegrationsthese’, verallgemeinernd formuliert als Entwicklung von Ausländerfeindlichkeit auf Grund sozialer Desintegration der untersuchten Individuen (Heitmeyer 1987), weiter zu führen. Im Rahmen unserer Analysen über Strukturgleichungsmodelle konnten wir dabei festhalten, dass die Dominanzorientierung zu 40% (!) von den zwei eingeführten Desintegrationsvariablen in Elternhaus und Schule vorhergesagt wird. Desintegration in Bezug auf die mediierenden innerfamiliären und schulischen Kohäsionsprozesse stellt somit eine wichtige Prädiktorvariable von Dominanzorientierung dar. Je ausgeprägter diese Desintegrationserfahrungen sind, desto stärker fällt auch die Dominanzorientierung aus. Auch dies ist ein gewichtiger Grund, die konkreten familiären und die schulischen Prozesse ausländerfeindlicher Jugendlicher zu untersuchen.
Politisch motivierte Jugendgewalt steigt demnach auch, aber nicht ausschliesslich, wie ein Phönix aus der Asche ‚niedergebrannter’ relevanter sozialer Institutionen wie sie die Familie und die Schule für Jugendlichen darstellen, so das kürzest mögliche Fazit der vorgelegten Analysen. Die ‚Kälte’ nach dem ‚Brand’ führt dazu, dass sich Jugendliche unter den genannten Bedingungen nicht zu Gunsten der Demokratie erwärmen können und auch dann noch kalt haben, wenn der Radiator unserer Überflussgesellschaft auf Hochtouren läuft.
Wir brauchen deswegen, mit Adorno argumentiert (1971 (1966)), die Einsicht in die Bedingungen, die zu dieser Kälte, dieser fehlenden Echtheit, führen, wir betonen falls – falls wir Gegensteuer geben möchten.

Bibliografie
(Nach inhaltlicher Relevanz für die Präventionsarbeit geordnet.)

• Steudler, Markus: Wie man sie aus der Szene holt. Bericht über das von Samuel Althof entwickelte „Internet – Streetworking“, NZZ am Sonntag; 31.07.2005

• Fingal, Victor: «Je dialogue avec les skins» Ce psychologue juif de Bâle n’hésite pas à rencontrer des néonazis et réussit même à les faire se remettre en question. Le MATIN 17 août 2002

• O'Dea, Clare: Reaching out to extremist youth. Outreach worker Samuel Althof, who has spent five years among young extremists, tells swissinfo personal problems often lie behind militant behaviour., Swissinfo-interview, Swiss Radio International, 08.11.2005 (http://www.akdh.ch/sri081105.htm)

• Seemann, Isabelle: Walking On The Wild Sites. Wie kann man verhindern, dass aus jugendlichen Skins gewalttätige Neonazis werden? Der 49-jährige Internet-Streetworker Samuel Althof ist täglich auf dem virtuellen Highway unterwegs und sucht den Dialog mit jungen Extremisten.
http://www.akdh.ch/surprise9004.pdf Surprise, September 2004

• Hans B.: Nazi Stuff Day. Selbstdarstellung. Die eindrückliche Veränderung des ehemals jugendlichen Internet-Nazis Hans B. Eine Gegenüberstellung: Damals und heute. (Ergebnis eines Internet-Streetworking Prozesses) http://www.akdh.ch/nsd.htm

• LP Marktforschung GmbH: Kurzevaluation des Internet-Streetworking 2003. http://www.akdh.ch/Evaluation_Kurz.pdf

• Boehnke, Klaus [et al.] (Hrsg.): Jugendgewalt und Rechtsextremismus: soziologische und psychologische Analysen in internationaler Perspektive. Weinheim : Juventa, 2002

• Althof, Samuel: Sind jugendliche Neonazis politisch motiviert? http://www.akdh.ch/referat2.htm 5.03.2002

• Rommelspacher, Birgit: Dominanzkultur: Texte zu Fremdheit und Macht Berlin: Orlanda Frauenverlag, 1995

• Schweizer, Daniel (Regie): Skinhead attitude. Filmmaterial. Essen: Sunny Bastards Films, 2004

• Cappellini, Manuela; Zimmermannn, Andrea: Der Mord an Marcel von Allmen: Jugendkultur und Gruppendynamik - mögliche Erklärungsansätze? Bern: Edition Soziothek, 2003

• Hopf, Christel [et al.]: Familie und Rechtsextremismus: familiale Sozialisation und rechtsextreme Orientierungen junger Männer. Weinheim [etc.]: Juventa Verlag, 1995

• Searchlight [et al.] (Hg.): White noise: Rechts-Rock, Skinhead-Musik, Blood & Honour: Einblicke in die internationale Neonazi-Musik-Szene, Hamburg: UNRAST-Verlag, 2001
• Heitmeyer, W.: Rechtsextremistische Orientierungen bei Jugendlichen. Weinheim. Juventa, 1987

• Rommelspacher, Birgit: Anerkennung und Ausgrenzung: Deutschland als multikulturelle Gesellschaft. Frankfurt a. M. Campus 2002

• Coester, Marc; Gossner, Uwe: Rechtsextremismus – Herausforderung für das neue Millenium, Wirklichkeit einses Jugendphänomens. Marburg. Tectum 2002

• Gruen, Arno: Der Kampf um die Demokratie: der Extremismus, die Gewalt und der Terror. Stuttgart. Klett-Cotta, 2002

• Gruen, Arno: Der Verrat am Selbst : die Angst vor Autonomie bei Mann und Frau. München. Deutscher Taschenbuch Verlag, 1998

• Altermatt, Urs; Kriesi Hanspeter: Rechtsextremismus in der Schweiz. Organisationen und Radikalisierung in den 1980er und 1990er Jahren. NZZ Zürich. 1995

• Wirth, Hans-Jürgen: Fremdenhass und Gewalt als familiäre und psychosoziale Krankheit, Erstmals erschienen in Psyche, Heft 11 (November 2001), S. 1217-1244.

• Wirth, Hans-Jürgen: Narzissmus und Macht: zur Psychoanalyse seelischer Störungen in der Politik. Giessen: Psychosozial-Verlag, 2002

• Richter, Horst-Eberhard... [et al.]: Psychoanalytische Beiträge zu Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit. Münster [etc.]. Lit Verlag, 1995

• Wahl, Klaus (Hrsg.): Skinheads, Neonazis, Mitläufer : Täterstudien und Prävention Opladen: Leske + Budrich, 2003

• Canetti, Elias : Masse und Macht. Frankfurt a. M. Fischer Taschenbuch Verl., 1993

• Adorno, T. W. (Hrsg.): Erziehung nach Auschwitz. In: Erziehung zur Mündigkeit, S. 88-104. Frankfurt a. M. Suhrkamp 1971 (1966)


 

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